Der Szeneblick


Wir wissen das gerade momentan die Punk-, Rockabilly- und vor allem auch die Gothicszene immer mehr dazu mutiert, dem kommerziellen Epos zu verfallen. So gibt es in zahlreichen Kaufhäusern und Modeläden Accessoires und Klamotten die eindeutig Elemente aus diesen Stilen tragen oder damit behaftet sind. So wird ein jeder die zahlreichen Shirts mit Totenköpfen kennen, die Farbe Schwarz ist derzeit so beliebt wie noch nie zuvor und Nieten und Co erleben ein wahres Revival. Dabei werden all diese Klamotten und Accessoires gerne von Menschen getragen, die provozieren wollen und die eindeutig aus der Masse hervorstechen möchten.

Diese Handhabung mutiert dabei leider dazu, dass bisweilen die durchaus interessante Bewegung und Lebenskultur der Gothics oder auch der Punks in Mitleidenschaft gezogen wird und viele unerfahrene Mitmenschen damit in erster Linie negative Aspekte verbinden. Zudem ist diese Agierungsweise der kommerziellen Vermarktung auch aus dem Grund schade, da viele Jugendliche und auch Junggebliebene eben keine Aussage mit dem Tragen solcher Bekleidungsstücke verfolgen sondern nur Lehrer,Eltern und Co provozieren wollen.

Daher möchten wir an dieser Stelle gerne einmal einen kleinen Einblick in die Lebenskultur bieten, die einerseits so interessant anmutet aber andererseits eben mit zahlreichen Vorurteilen behaftet ist. Denn Goths, Punks und auch Rockabillys sind Menschen wie Du und ich und es wird Zeit, dass all die Menschen da draußen einmal erkennen, dass diese Lebensart nicht mit Provokation zu tun hat, sondern einfach eine Lebenseinstellung ist wie jede andere auch.

Die Gothic Szene


Leider immer noch mit dem Mythos behaftet, dass jeder der Schwarz trägt und sein Leben dem schwarzen Dasein verschrieben hat automatisch auch gleich ein Satanist ist, wird es Zeit einmal mit dieser falschen Aussage aufzuräumen. Denn ein Gothic zu sein, bedeutet nicht automatisch das man schwarze Messen hält, Tiere opfert oder sich auf dem Friedhof rumtreibt. Vielmehr bedeutet Gothic sein, dass man sich mit den Leben auseinander setzt, man sich intensiv mit Lebensfragen befasst und man der eigenen Individualität treu bleiben möchte. Dabei sind die meisten Gothics bodenständig und fest im Leben etabliert. Die Gothic Szene entstand dabei aus der Punk und New Wave Bewegung und erfuhr in den achtziger Jahren die erste große Aufmerksamkeit und man mutmaßt das sich damals auch der Name Schwarze Szene etabliert hat. Denn damals wie auch heute sind gerade in der Bekleidung manche Stilelemente prägend und es stimmt, dass die Anhänger dieser Bewegung vorwiegend Farben wie Schwarz, Violett und beispielsweise Bordeaux Rot tragen. Denn diese Farben spiegeln so gekonnt die Philosophie der lebensnahen Kultur wieder und sind Ausdruck für Melancholie und Ernsthaftigkeit.

    Die Punk Szene


Gerade die ältere Generation verbindet leider mit den Punks immer noch das Bild, welches uns Menschen gerne mit der falschen Interpretation in den Medien und Illustrierten vermittelt wird. Punks sind demnach asozial, drogenabhängig und arbeitsfaul. Dieser Mythos hält sich bis heute noch hartnäckig und daher begegnen die meisten Menschen Punks mit einer gehörigen Portion Abneigung. Aber welch ein Wunder, die meisten Punks sind genau das Gegenteil. Sie gehen einem Beruf nach, sie sind Familienmenschen und im Leben etabliert. Der einzige Unterschied ist vielleicht der, dass Punks einen anderen Kleidungsstil haben und sich in ihren Wesenszügen von der normalen Bevölkerung abgrenzen.

Denn Punk zu sein, ist eine innerliche Einstellung und bedeutet, dass man sich durchaus einmal mit den kommerziellen Werten und der vorherrschenden Weltanschauung befasst. Seien wir mal ehrlich, so manches Mal schlummert in einem jeden von uns ein kleiner Punk, aber wir normalen Menschen trauen uns bisweilen nicht diesen auszuleben, denn viel zu eng ist das Korsett unserer Gesellschaft und die damit auferlegten Zwänge. Oder finden Sie alles gut was in der Welt passiert? Die wachsenden Arbeitslosenzahlen, die Finanzkrise, die Ungerechtigkeit die uns täglich widerfährt? Mit Sicherheit würde so manch einer gerne einmal einem Politiker die Meinung “geigen”, aber das gehört sich nicht und darum machen wir “normalen” Menschen das nicht. Stattdessen nehmen wir vieles hin und finden uns zähneknirschend damit ab. Punks hingegen rebellieren dagegen und zeigen, dass Menschen eigentlich keine stummen Figuren sind, sondern Lebewesen mit einer eigenen Meinung und einer gesunden Kritikfähigkeit

Die Rockabilly Szene

Gerade bei dieser Szene könnte man als Außenstehender sicherlich sagen, dass jeder Trend einmal wieder kommt und so manch ein älterer Zeitgenosse fühlt sich angesichts dieses Kleidungsstils in die gute alte Zeit versetzt. Denn Rockabillys tragen das, was bereits in den 50ger Jahren populär und kennzeichnend war. So tragen die Ladies gerne Petticoat Röcken, die Herren der Schöpfung tragen den sogenannten Grease Look und pimpen sich mit Koteletten sowie Creepers auf. All dies wird dann noch ergänzt von charakteristischen Symbolen wie den Plüschwürfeln, den Karos sowie den Kirschsymbolen, die hier auch gerne als Tattoos oder Anhänger zum Einsatz kommen. Dabei wird die Rockabilly Szene stark von der Musik der damaligen Zeit geprägt und natürlich sind bekannte Idole wie Betty Page heute noch dominierend. Gepaart mit modernen Elementen unserer Zeit ist dieser Stil heute so beliebt wie noch niemals zuvor und neben zahlreichen Rockabilly Festivals und Cadillac Treffen kann man beobachten, dass auch eine neue Bewegung der klassischen Pin Ups entsteht